Tourismus

Balearen-Regierung erhebt Mietwagen-Steuer

Drei Jahre nach dem Ökosteuer-Desaster auf den Balearen erhebt die Regierung eine neue Touristen-Abgabe: eine Steuer auf Mietwagen. Doch diesmal sollen die Einnahmen nicht dem Erhalt der angeschlagenen Umwelt dienen, sondern der Sanierung des Gesundheitswesens.

Palma de Mallorca – Der Tourismusbranche auf den Balearen droht neuer Ärger: Die Regionalregierung der Balearen hat beschlossen, die Urlauber auf Mallorca, Menorca, Formentera und Ibiza künftig beim Mieten von Autos mit einer Abgabe zu belegen. Die Steuer auf Leihwagen beträgt nach Presseberichten vom Dienstag je nach Größe des Autos 4,50 bis 5 Euro pro Tag. Außerdem werden zwei bis drei Cent pro Kilometer erhoben.

Die Regelung soll Anfang kommenden Jahres in Kraft treten, dabei wird die Steuer nicht direkt von den Touristen, sondern von den Autovermietern eingezogen. Die Regierung erhoffe sich Einnahmen von 12,5 Millionen Euro im Jahr, um damit ihr Defizit von rund 200 Millionen Euro im Gesundheitswesen zu verringern, berichtet die spanische Zeitung “El Pais”.

Die Tourismusbranche protestierte gegen die Abgabe. “Jede neue Steuer ist eine schlechte Nachricht”, sagte der Präsident des mallorquinischen Fremdenverkehrsverbands, Miquel Vicens, der Deutschen Presseagentur. “Zusätzliche Abgaben schmälern die Konkurrenzfähigkeit des Tourismus auf Mallorca.” Mietautos seien zudem keine Luxusgegenstände, sondern gehörten auf der Ferieninsel zum Alltag.

Das Ökosteuer-Desaster haben Mallorca-Fans noch in Erinnerung: Vor drei Jahren versuchte die Regionalregierung der Balearen die Urlauber für den Umweltschutz auf den Inseln zur Kasse zu bitten. Mit einem Euro pro Tag und Tourist sollten Naturparks und Kläranlagen finanziert werden. Die sinnvolle Abgabe scheiterte jedoch nach einem Jahr an dem vehementen Protest der Tourismusbranche, der konservative Ministerpräsident Javier Matas fegte die “Ecotasa” nach seiner Wahl vom Tisch.

Aber auch die neue balearische Regierung kommt nicht umhin, Geldquellen für dringende Umweltmaßnahmen aufzutun. Im April wurde eine Tarjeta Verde eingeführt, eine Rabattkarte für zehn Euro, mit der theoretisch zahlreiche Preisvergünstigungen auf den Balearen-Inseln gewährt werden und deren Erwerb freiwillig ist. Die Praxis jedoch lasse bei der Umsetzung der hehren Idee Wünsche offen, wie die “taz” Ende September schrieb. Die Karte sei schwer erhältlich, und nicht alle Partner gewährten tatsächlich den Rabatt.

Quelle: spiegel.de

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